Wenn eine Schwangerschaft in die RSV-Saison fällt, tauchen schnell zwei Fragen auf: Kann ich mich gegen RSV impfen lassen, und braucht mein Baby danach trotzdem einen Schutz? Die Antwort hängt in Deutschland vom Unterschied zwischen EU-Zulassung, ärztlicher Einzelfallentscheidung und offizieller STIKO-Empfehlung ab. Ich zeige, wann die Impfung infrage kommt, welche Vorteile und Grenzen sie hat und warum Nirsevimab für viele Neugeborene die praktischere Alternative ist.
Die wichtigsten Fakten zur RSV-Impfung in der Schwangerschaft
- Abrysvo ist in der EU für die Impfung Schwangerer zwischen der 24. und 36. Schwangerschaftswoche zugelassen.
- Die mütterlichen Antikörper gelangen über die Plazenta zum Baby und können es in den ersten sechs Lebensmonaten schützen.
- In Deutschland gibt es 2026 weiterhin keine allgemeine STIKO-Empfehlung für die RSV-Impfung während der Schwangerschaft.
- Die gesetzliche Krankenkasse muss die Impfung deshalb in der Regel nicht automatisch bezahlen. Eine Satzungsleistung ist möglich.
- Für alle Säuglinge empfiehlt die STIKO eine einmalige RSV-Prophylaxe mit Nirsevimab in der ersten RSV-Saison.

Was die RSV-Impfung in der Schwangerschaft bewirken soll
RSV steht für das Respiratorische Synzytial-Virus. Bei Erwachsenen verläuft eine Infektion häufig wie eine Erkältung, bei jungen Säuglingen kann sie jedoch die unteren Atemwege erreichen und eine Bronchiolitis oder Lungenentzündung auslösen. Gerade in den ersten Lebensmonaten ist das Risiko für einen schweren Verlauf erhöht.
Die Impfung richtet sich dabei nicht in erster Linie auf den persönlichen Schutz der Mutter. Sie soll die Bildung von neutralisierenden Antikörpern anregen. Diese Abwehrstoffe können über die Plazenta auf das ungeborene Kind übergehen und dem Baby nach der Geburt einen sogenannten Nestschutz geben.
Nach den Daten zur Zulassung reduzierte eine Impfung mit Abrysvo schwere RSV-bedingte Erkrankungen der unteren Atemwege beim Säugling bis zum Alter von sechs Monaten. In einer Studie lag die Wirksamkeit gegen schwere, ärztlich behandelte Verläufe innerhalb der ersten 180 Tage bei etwa 69 Prozent. Das ist ein relevanter Schutz, aber keine Garantie dafür, dass sich das Kind überhaupt nicht ansteckt.
Welche Regelung gilt in Deutschland im Jahr 2026
Hier liegt der Punkt, der häufig für Verwirrung sorgt. Abrysvo ist für die Anwendung in der Schwangerschaft in der Europäischen Union zugelassen. Die STIKO empfiehlt die Impfung Schwangerer in Deutschland derzeit jedoch nicht allgemein, weil sie die Datenlage, insbesondere zur Sicherheit und zur Bewertung seltener Ereignisse, noch nicht für ausreichend hält.
Eine Zulassung bedeutet also, dass ein Arzneimittel nach der vorliegenden Datenlage angewendet werden darf. Eine STIKO-Empfehlung bedeutet zusätzlich, dass die Impfung für eine bestimmte Bevölkerungsgruppe allgemein empfohlen wird und meist auch in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen fällt. Diese beiden Ebenen sollte man nicht miteinander verwechseln.
Nach Angaben des Robert Koch-Instituts ist die Impfung deshalb eine individuelle ärztliche Entscheidung. Die Frauenärztin oder der Frauenarzt kann persönliche Risikofaktoren, den errechneten Geburtstermin, die RSV-Saison und die alternative Prophylaxe für das Baby gemeinsam mit der Schwangeren abwägen.
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Was das für die Kosten bedeutet
Für gesetzlich Versicherte besteht wegen der fehlenden STIKO-Empfehlung normalerweise kein allgemeiner Anspruch auf Kostenübernahme der mütterlichen RSV-Impfung. Einige Krankenkassen können Impfungen außerhalb der Pflichtleistung über ihre Satzung bezuschussen oder übernehmen. Deshalb sollte die Kostenfrage vor der Impfung direkt mit der Krankenkasse und der Praxis geklärt werden.
Bei privat Versicherten hängt die Erstattung vom jeweiligen Tarif ab. Ich würde mir die Kostenübernahme schriftlich bestätigen lassen, bevor der Impfstoff bestellt wird. So lassen sich unangenehme Überraschungen vermeiden, denn Impfstoff, ärztliche Beratung und Verabreichung können zusammen einen deutlich höheren Betrag ausmachen als eine übliche Standardimpfung.
Wann die Impfung infrage kommt und wie sie verabreicht wird
Die zugelassene Anwendung sieht für Schwangere eine Einzeldosis von 0,5 Millilitern zwischen der 24. und 36. Schwangerschaftswoche vor. Der Impfstoff wird in den Muskel des Oberarms gespritzt. Eine jährliche Wiederholung oder eine erneute Dosis in jeder Schwangerschaft ist nach der aktuellen Produktinformation nicht vorgesehen.
Der genaue Zeitpunkt ist trotzdem nicht völlig beliebig. Die Antikörper müssen erst gebildet und über die Plazenta übertragen werden. Bei einer Impfung weniger als zwei Wochen vor der Geburt kann der Schutz des Neugeborenen daher noch nicht ausreichend aufgebaut sein. In dieser Situation empfiehlt das RKI zusätzlich die Prophylaxe mit Nirsevimab.
Auch eine bevorstehende Geburt, eine Risikoschwangerschaft oder eine geplante Sectio können die Entscheidung beeinflussen. Bei einer akuten fieberhaften Erkrankung wird die Impfung normalerweise verschoben. Eine leichte Erkältung ohne Fieber ist dagegen nicht automatisch ein Grund, den Termin abzusagen.
| Situation | Was besonders wichtig ist |
|---|---|
| 24. bis 36. Schwangerschaftswoche | Der Zeitraum entspricht der EU-Zulassung für die maternale Impfung. |
| Weniger als 2 Wochen bis zur Geburt | Der Antikörpertransfer kann zu kurz sein. Nirsevimab für das Baby sollte zusätzlich geprüft werden. |
| Akutes Fieber | Impfung meist verschieben, bis die Erkrankung abgeklungen ist. |
| Blutgerinnungsstörung oder Thrombozytopenie | Wegen möglicher Blutergüsse ist eine besondere ärztliche Abwägung nötig. |
Wie sicher ist die Impfung für Mutter und Baby
Abrysvo ist ein proteinbasierter Impfstoff und kein Lebendimpfstoff. Er kann keine RSV-Infektion auslösen. Häufige Impfreaktionen sind Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Muskelschmerzen. Meist sind diese Beschwerden vorübergehend und mild bis mäßig ausgeprägt.
Die bisher ausgewerteten Schwangerschaftsdaten zeigen kein klares Signal für Fehlbildungen oder eine fetale beziehungsweise neonatale Toxizität. In der aktuellen Produktinformation werden mehr als 4.000 Schwangerschaftsausgänge nach einer Exposition berücksichtigt. Das klingt zunächst beruhigend, ersetzt aber nicht die weitere Überwachung, weil seltene Risiken erst bei sehr großen Anwenderzahlen zuverlässig beurteilt werden können.
In der großen Zulassungsstudie traten Frühgeburten in der Impfstoffgruppe numerisch etwas häufiger auf als in der Placebogruppe. Die Zahlen lagen bei etwa 6 Prozent gegenüber 5 Prozent. Daraus lässt sich allein kein ursächlicher Zusammenhang ableiten, doch genau solche Beobachtungen erklären, warum die deutsche Impfkommission bei einer allgemeinen Empfehlung vorsichtig bleibt.
Ich halte eine klare Kommunikation über diese Unsicherheit für besser als eine pauschale Aussage wie „völlig risikofrei“. Die sinnvollere Frage lautet, wie groß der erwartete Nutzen für das Baby im individuellen Fall ist und ob die Alternative mit Nirsevimab gut erreichbar ist.
Maternale Impfung oder Nirsevimab für das Baby
In Deutschland stehen im Wesentlichen zwei Strategien zur Verfügung. Bei der maternalen Impfung bildet die Mutter Antikörper, die das Kind bereits vor der Geburt erhält. Bei Nirsevimab bekommt das Baby nach der Geburt einen lang wirksamen monoklonalen Antikörper, der direkt gegen RSV schützt. Nirsevimab ist keine Impfung im klassischen Sinn, sondern eine passive Immunisierung.
| Merkmal | Impfung in der Schwangerschaft | Nirsevimab beim Säugling |
|---|---|---|
| Zeitpunkt | 24. bis 36. Schwangerschaftswoche | Nach der Geburt oder vor der ersten RSV-Saison |
| Wirkprinzip | Antikörper werden von der Mutter gebildet und übertragen | Fertige Antikörper werden dem Baby verabreicht |
| Schutzbeginn | Ab der Geburt, sofern genügend Antikörper übertragen wurden | Nach der Verabreichung direkt verfügbar |
| Empfehlung in Deutschland | Keine allgemeine STIKO-Empfehlung | Einmalige Prophylaxe für Säuglinge in der ersten RSV-Saison |
| Kosten für GKV-Versicherte | Keine automatische Kostenübernahme | Versorgung grundsätzlich als Kassenleistung |
Für gesunde Neugeborene, deren Mütter während der Schwangerschaft geimpft wurden, ist Nirsevimab in der Regel nicht zusätzlich nötig. Anders kann es bei einer Impfung kurz vor der Geburt oder bei besonderen Risikofaktoren des Kindes aussehen. Dazu zählen beispielsweise eine deutliche Frühgeburtlichkeit, schwere Herzfehler, eine bronchopulmonale Dysplasie, eine schwere Immunschwäche oder bestimmte neuromuskuläre Erkrankungen.
Für Säuglinge, die während der RSV-Saison von meist Oktober bis März geboren werden, soll Nirsevimab möglichst rasch nach der Geburt gegeben werden. Bei Kindern, die zwischen April und September geboren werden, liegt der übliche Zeitpunkt im Herbst vor Beginn der Saison. Die Dosis beträgt bei einem Körpergewicht unter 5 Kilogramm 50 Milligramm, ab 5 Kilogramm 100 Milligramm.
Welche Entscheidung im Alltag wirklich sinnvoll ist
Ich würde die Entscheidung nicht allein vom Impfkalender abhängig machen, sondern vier Punkte gemeinsam betrachten: den Geburtstermin, die Schwangerschaftswoche beim möglichen Impftermin, das persönliche Sicherheitsbedürfnis und die Verfügbarkeit von Nirsevimab in der Geburtsklinik oder Kinderarztpraxis.
- Geburtstermin prüfen: Liegt die Geburt mitten in der RSV-Saison, ist ein früher Schutz besonders relevant.
- Schwangerschaftswoche einordnen: Eine Impfung deutlich vor der 24. Woche ist nicht vorgesehen, eine Impfung unmittelbar vor der Geburt kann zu spät für einen vollständigen Nestschutz sein.
- Risiken des Babys besprechen: Frühgeburtlichkeit oder relevante Vorerkrankungen können dafür sprechen, Nirsevimab unabhängig von der mütterlichen Impfung einzuplanen.
- Kosten klären: Vor einer individuellen Impfung sollte die gesetzliche oder private Krankenkasse gefragt werden.
- Impfpass und Geburtsunterlagen mitnehmen: So können Frauenarztpraxis und Kinderarztpraxis die Maßnahmen besser aufeinander abstimmen.
Ein häufiger Fehler ist die Annahme, eine Impfung der Mutter mache jede weitere Schutzmaßnahme überflüssig. Das stimmt nicht in jeder Situation. Ebenso wenig sollte man Nirsevimab als „schlechtere“ Lösung betrachten. Die direkte Antikörpergabe an das Baby kann gerade dann sinnvoll sein, wenn die mütterliche Impfung nicht möglich war oder zu spät erfolgte.
Was vor dem Termin mit der Arztpraxis geklärt werden sollte
Vor einer Entscheidung sollten Schwangere konkret fragen, ob die Praxis die Impfung im individuellen Fall empfiehlt, welche Daten zur eigenen Schwangerschaft berücksichtigt werden und ob die Krankenkasse die Kosten übernimmt. Auch der Plan für Nirsevimab sollte schriftlich oder im Mutterpass nachvollziehbar dokumentiert werden.
Bei bekannter schwerer Allergie gegen einen Bestandteil, ausgeprägten Gerinnungsproblemen oder einer komplizierten Schwangerschaft ist eine besonders sorgfältige ärztliche Abwägung nötig. Treten nach der Impfung Atemnot, eine starke allergische Reaktion, anhaltend hohes Fieber oder andere ungewöhnliche Beschwerden auf, sollte umgehend medizinische Hilfe gesucht werden.
Die nüchterne Einordnung lautet deshalb: Eine RSV-Impfung in der Schwangerschaft ist in Deutschland zugelassen und kann das Baby in den ersten Lebensmonaten schützen, wird aber 2026 noch nicht allgemein von der STIKO empfohlen. Wer sich dafür interessiert, sollte Nutzen, Unsicherheiten, Kosten und die mögliche Nirsevimab-Prophylaxe gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprechen.